Adolf von Grolman

Adolf Grolman
*06.10.1888 in Karlsruhe
† 17.08.1973 in Karlsruhe
Schriftsteller und Germanist
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Als Spross einer adligen Familie wurde Adolf von Grolman 1888 in Karlsruhe geboren. In seinem Stammbaum finden sich der protestantische Theologe Philipp Melanchthon und der Reichsritter Götz von Berlichingen. Von Grolman besuchte, wie die meisten Jungen aus bürgerlichen Karlsruher Familien, das Großherzogliche Gymnasium. Dort sind auch Carl Einstein, Franzsepp Würtenberger, Wilhelm Hausenstein und Richard Willstätter Schüler gewesen.

1916 brach der inzwischen promovierte Jurist seine Laufbahn als Anwalt ab und nahm ein Studium der Germanistik auf. Auch in diesem Fach promovierte er und habilitierte sich anschließend an der Universität Gießen.

Seit 1923 lebte von Grolman als freier Schriftsteller in Karlsruhe. Er veröffentlichte regelmäßig in der Karlsruher Wochenschrift „Pyramide“ und publizierte Essays zur Literatur am Oberrhein und hielt Vorträge über »Die Musik und das Musikalische im Menschen«.

Von  Grolman, dessen Nachlass rund 5000 Briefe umfasst, korrespondierte mit Thomas Mann, Hermann Hesse, Albert Schweitzer und Martin Buber. 1956 wechselte er Briefe mit dem 15-jährigen Hubert Burda, dem er Hinweise zu Kunstwerken gab.

Adolf von Grolman beim Spaziergang in den 60er Jahren

Adolf von Grolman beim Spaziergang in den 60er Jahren

Von Grolman suchte früh den Kontakt zu jungen Menschen: Ende der 1920er-Jahre war er als Ältester eines sogenannten »Stadtnests« im Karlsruher Wandervogel aktiv. Er organisiert Begegnungen von Jungen aus Deutschland und Frankreich und fördert so die Aussöhnung der ehemals verfeindeten Länder.

Von Grolman konnte von 1933 bis 1942 ungehindert publizieren, darunter auch im NS-Parteiblatt des Gaues Baden, geriet dann aber ins Visier der Gestapo: Wegen »Zersetzung der Wehrkraft« durch kritische Äußerungen wurde er zu fünf Monaten Haft verurteilt. Kurz nach Kriegsende veröffentlichte von Grolman die »Karlsruher Novellen« und eine Broschüre über den »Wert der Ruinen« seiner zerstörten Heimatstadt. Unveröffentlicht blieben seine rund 80 Pariser Romane, die sich in seiner Wohnung in der Kriegsstraße 286 stapelten.

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Der Karlsruher Komponist Wolfgang Rihm begegnete als 12-jähriger Schüler häufig Adolf von Grolman in der Kriegsstraße Foto, Holger Jost, 2014

Gegen Ende seines Lebens freundete sich von Grolman mit dem damals 12-jährigen Wolfgang Rihm an. Die Begegnung mit dem Privatgelehrten bezeichnete Rihm später als prägende Erfahrung auf seinem Bildungsweg.


Publikationen von Adolf von Grolman:

Adolf von Grolman: Die Musik und das Musikalische im Menschen. Drei Vorträge gehalten in Karlsruhe im Januar 1940
Berlin, 1940, 2. Auflage 1942; türkische Übersetzung, Istanbul, 1965.

Adolf von Grolman: Deutsche Dichtkunst und französischer Art Poétique.
Berlin, 1943, 2. Auflage Baden-Baden, 1947.

Adolf von Grolman: Karlsruhe oder vom Wesen der Ruine und den kulturellen Möglichkeiten ihrer Bewohner, Karlsruhe, 1946

Europäische Dichterprofile [24 Vorträge]. 3 Bände. Düsseldorf, 1947–1949.

Über Adolf von Grolman:

»in die verwilderten Gärten der Dichtung und Poesie«. Der Germanist, Kritiker und Schriftsteller Adolf von Grolman (1888–1973). Begleitband zur Ausstellung im Museum für Literatur am Oberrhein Karlsruhe, 2014/2015. Heidelberg, 2014.


Dank an:

Literarische Gesellschaft / Museum für Literatur am Oberrhein
PrinzMaxPalais und Herrn Schmidt-Bergmann für die freundliche Bereitstellung eines Fotos von Grolman


Portrait Adolf von Grolmann:
Fotograf unbekannt. Quelle: Nachlass Grolmann, Museum für Literatur am Oberrhein

Adolf von Grolman, 1960er-Jahre:
Aus: »in die verwilderten Gärten der Dichtung und Poesie«, Katalog, Museum für Literatur am Oberrhein, Karlsruhe 2014

Zu dieser Person gibt es keine Augmented Reality Inhalte.

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