Emil Rudolf Weiß

Emil Rudolf Weiß
*12.10.1875 in Lahr (Schwarzwald)
† 07.11.1942 in Meersburg am Bodensee
Buchgestalter, Maler, Schriftsteller

Portrait_Weiss_200x200_oUm Maler zu werden kam Emil Rudolf Weiß mit 20 Jahren nach Karlsruhe an die Kunstakademie. Sein Professor Hans Thoma konnte ihm nicht viel beibringen. Um so mehr lernte Weiß durch den Umgang mit seinen jungen Malerfreunden Karl Hofer und Edmund von Freyhold. Alle drei traten in den neuen Künstlerbund Karlsruhe ein und verdienten ihren Lebensunterhalt durch den Entwurf von Lithographien, Visitenkarten und Werbeanzeigen, die in der Kunstdruckerei des Künstlerbundes entstanden.

Bereits in Karlsruhe entfaltete Weiß seine vielfältigen Interessen und Talente: Er malte nicht nur, sondern verfasst auch symbolische Gedichte, schrieb für die Zeitschrift „Pan“ Texte in seiner eigenwilligen Handschrift und entwarf dazu Schmuckelemente.

In Karlsruhe entstand 1899 sein Plakat für die Zeitschrift »Die Insel«, dem Zentralorgan des damals tonangebenden Jugendstils.

E.R. Weiß: Plakat für die Kunstzeitschrift Die Insel, 1899,  Farblithographie der Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe

E.R. Weiß: Plakat für die Kunstzeitschrift Die Insel, 1899, Farblithographie der Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe

Nach seinem Umzug nach Berlin wurde Weiß ein gefragter Buchausstatter: er entwarf die Einbände für Klassikerausgaben und die Cover von Hans Falladas Bestsellern. Er zeichnete die Titel für die Erzählungen seines Freundes Franz Hessel und konstruierte den Schriftzug für Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“.

1933 verlor Weiß seine Professur an der Kunstgewerbeschule und war wie seine Frau, die Bildhauerin René Sintenis, auf private Aufträge angewiesen. Immer häufiger zog sich Weiß in seine Heimatgegend zurück, stetig weiterarbeitend an seinen Schriftentwürfen. Er starb 1942 am Bodensee. Bis zuletzt war sein Credo: „Es gibt nicht mehr viel zum Freuen! – Doch die wahre Freude: zu arbeiten.“

Seine bekannteste Schrift, die „Weiß Antiqua“ ist heute als digitaler Font verfügbar.

E.R. Weiß: Einband für Musils Mann ohne Eigenschaften, Berlin, 1930 Foto: Holger Jost

E.R. Weiß: Einband für Musils Mann ohne Eigenschaften, Berlin, 1930 Foto: Holger Jost


Schriftentwürfe von Emil Rudolf Weiss:

„Weiß-Schmuck“ (typographische Zierstücke), 1912;
„Weiß-Fraktur“, 1913; „Weiß-Antiqua“ (1928); „Weiß-Gotisch“ (1936); „Weiß-Rundgotisch“ (1937)

Übersicht der Schriftentwürfe:
http://www.klingspor-museum.de/Kuenstler.html

Publikationen von Emil Rudolf Weiß:
Emil Rudolf Weiß: Pan, Baden-Baden, 1895; Die blassen Cantilenen, Florenz/Leipzig: 1896; Der Wanderer, Baden-Baden 1900; Drei Monate in Spanien. Zeichnungen und Aufzeichnungen eines Malers [1923], Berlin 1931; Habent sua fata libelli [Bericht über die hindernisreiche Entstehung von Drei Monate in Spanien], Privatdruck, Berlin 1932; Über Buchgestaltung. Hamburg, 1969

Über Emil Rudolf Weiß:

Emil Rudolf Weiß 1875–1942, Katalog Sindelfingen u.a., 1992.
Barbara Stark: Emil Rudolf Weiß 1875–1942, 1993.


Hörstück:
Ernst Rudolf Weiß – Mann mit vielen Eigenschaften

Sprecher:
Manuel Harder


Portrait Emil Rudolf Weiß:
Selbstbildnis von Emil Rudolf Weiß: um 1929. Aus: Walter G. Oschilewski: Emil Rudolf Weiß. Eine Bibliographie, Frankfurt (Main), 1960

Plakat aus:
Kunst! Kommerz! Visionen! Deutsche Plakate 1888–1933. Katalog, 1992.

Erbprinzenstraße 10
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ton_2Hörstück
vermittelt Fakten zur Person in Form von Zitaten und freier Erzählung.