Julius Hirsch

Julius »Juller« Hirsch
*07.04.1892 in Achern
† für tot erklärt zum 08.05.1945 vermutlich in Auschwitz-Birkenau
Fußballer, Kaufmann

Portrait_Hirsch_200x200_oJulius Hirsch wurde 1910 – im Alter von 18 Jahren – zum ersten Mal Deutscher Meister im Fußball, als Linksaußen des Karlsruher Fußball-Vereins KFV. Kurz darauf spielte er bereits in der Nationalmannschaft, nahm an den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm teil und wurde schließlich zum zweiten Mal Deutscher Meister mit der Spielvereinigung Fürth.

Fußball war zu jener Zeit kein Profisport: bei Länderspielen musste der Nationalspieler Hirsch bei seiner Arbeitsstelle um Sonderurlaub bitten.

Hirsch arbeitete nach seinem Kriegsdienst im 1. Weltkrieg in der Sportartikelfirma seiner Familie in Karlsruhe. Er war nun ein prominenter Zeitgenosse: sein Porträt fand sich auf den Sammelbildern einer Zigarettenmarke, seine Firma brachte einen Fußball „Marke Hirsch“ heraus. 1924 endete seine aktive Zeit als Fußballer und Hirsch wurde Geschäftsführer des Familienunternehmens.

Die Mannschaft des Karlsruher Fußballvereins (KFV), Deutscher Meister von 1910.  Von links, obere Reihe: Ruzek, Fritz Förderer, Hermann Bosch, Dell, Hüber, Max Breunig, Trainer Townley, untere Reihe: Gottfried Fuchs, Ernst Hollstein, Tscherter, Julius Hirsch, Schwarze.

Die Mannschaft des Karlsruher Fußballvereins (KFV), Deutscher Meister von 1910. Von links, obere Reihe: Ruzek, Fritz Förderer, Hermann Bosch, Dell, Hüber, Max Breunig, Trainer Townley, untere Reihe: Gottfried Fuchs, Ernst Hollstein, Tscherter, Julius Hirsch, Schwarze.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das Leben von Julius Hirsch und seiner Familie mit den zwei Kindern. Weil Hirsch jüdisch war, wurde er wirtschaftlich und sozial ausgegrenzt. Nachdem einige süddeutsche Fußballclubs ankündigten, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen, erklärte Hirsch seinen Austritt aus seinem Heimatverein KFV.

Für kurze Zeit konnte Hirsch als Trainer für einen jüdischen Verein in Karlruhe arbeiten. In den folgenden Jahren schlug er sich als Vertreter und Hilfsarbeiter durch. 1938, nach einem Selbstmordversuch, kam er in eine Heilanstalt und musste schließlich über drei Jahre auf einem Karlsruher Schuttplatz Zwangsarbeit leisten. 1943 – kurz nach der Scheidung von seiner protestantischen Frau, mit der er in sogenannter »Mischehe« lebte – wurde Hirsch am 1. März 1943 vom Karlsruher Hauptbahnhof aus deportiert, sein Zug hatte den Zielort Auschwitz. Sein letztes Lebenszeichen stammt vom 3. März 1943. 1950 wurde er vom Amtsgericht Karlsruhe zum 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Seit 2005 vergibt der Deutsche Fußballbund jährlich den Julius-Hirsch-Preis zur Förderung der Zivilgesellschaft und Toleranz.

Julius Hirschs Meisterring mit  seinen Initialen, 1910

Julius Hirschs Meisterring mit seinen Initialen, 1910


Über Julius Hirsch: 

Ernst Otto Bräunche: »Fußballhochburg Karlsruhe«. In: Sport in Karlsruhe.Von den Anfängen bis heute. Hg. vom Stadtarchiv Karlsruhe, 2006.

Gereon Tönnihsen: Julius Hirsch – ein deutscher Fußball­nationalspieler jüdischer Herkunft aus Karlsruhe. Mit einem Beitrag von Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe, 2008.

Werner Skrentny: Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers. Göttingen, 2012 [Mit einem Beitrag zum Leben des Karlsruher Nationalspielers Gottfried Fuchs, dem Freund von Julius Hirsch].

Im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ist ab 2015 Julius Hirschs Sammlung mit Anstecknadeln von Fußballclubs zu sehen.


Hörstück:
Julius Hirsch – Ein Deutscher Meister

Sprecher:
Matti Krause


Dank an:

Andreas Hirsch, Karlsruhe
für die freundliche Bereitstellung von Bildmaterial

Dr. Michael Heck
für Literaturhinweise


Die Mannschaft des Karlsruher Fußballvereins (KFV)
Aus: Josef Frey: 90 Jahre Karlsruher Fußballverein 1891 –1981. Ein Kapitel Karlsruher und deutscher Fußballgeschichte, Karlsruhe, 1981

Julius Hirschs Meisterring mit seinen Initialen
Archiv Andreas Hirsch, Karlsruhe
Aus: Werner Skrentny: Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers. Göttingen, 2012

Hauptbahnhof, Bahnhofplatz 1B
Am Bahnhof bei den Fahrradständern befindet sich ein Marker an der Wand unter der Gedenktafel zu Julius Hirsch. Scannen Sie den Marker und genießen Sie das Hörstück.Location_Hirsch@2x

ton_2Hörstück
vermittelt Fakten zur Person in Form von Zitaten und freier Erzählung.