Rainer Maria Gerhardt

Rainer Maria Gerhardt
*09.02.1927 in Karlsruhe
† 27.07.1954 in Karlsruhe
Schriftsteller, Übersetzer und Verleger
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Rainer Maria Gerhardt verließ 1942 als 15-Jähriger seine Heimatstadt Karlsruhe, um in Wien eine Lehre zu absolvieren. Angeregt durch seinen Onkel, bei dem er wohnte, begann Gerhardt Gedichte zu schreiben.

Nach dem Abitur ging Gerhardt an die Freiburger Universität, wo er kaum Vorlesungen besuchte, sondern Antiquariate durchforschte und Kontakte zu Studenten knüpfte. Um ihn und seine Frau Renate versammelte sich eine Kreis junger Musiker, Maler und Dichter, die sich „gruppe der fragmente“ nannte.

Dazu gehörten u.a. der Klaus Bremer und – in lockerer Verbindung – Hans Magnus Enzensberger.

Die Gruppe publizierte in Freiburg die „fragmente – blätter für freunde“ und knüpfte Kontakt zu den amerikanischen Dichtern Ezra Pound und Robert Creeley, die später größere Bekanntheit erlangten. Transatlantische Dialoge“ nannte Peter Härtling diese Versuche, die Enge des literarischen Lebens in Westdeutschland zu überwinden. Finanziell blieb der Verlag aber erfolglos.

Die »gruppe der fragmente« und der US-amerikanische Dichter Robert Creeley in Freiburg, Frühjahr 1952. Von links: Renate Gerhardt mit Ezra Gerhardt, Robert Creeley, Klaus Bremer mit Titus Gerhardt, Rainer Maria Gerhardt (am Bildrand). Foto: Ashley Bryan

1953 zog die Familie Gerhardt mit ihren zwei Kindern nach Karlsruhe. Aus Geldmangel campierte Gerhardt eine zeitlang in einem Zelt am Rhein.

Trotz ihrer Notlage planten die Gerhardts ein umfangreiches Buch-Programm für ihren Fragmente-Verlag. Es konnten jedoch nur sechs Bücher erscheinen– darunter zwei Titel von Ezra Pound und je einer von Gerhardt und Klaus Bremer. 1954, kurz nach dem Einzug in das neue Karlsruher Hochhaus am Entenfang, angesichts von hohen Schulden und geistiger Isolation, nahm sich Rainer Maria Gerhardt das Leben.

Seine Frau gründete 1962 Jahren in Berlin den »Gerhardt Verlag« und führte so die in Karlsruhe begonnenen literarische Entdeckungsreise weiter.

ezra pound: »wie lesen« Deutsch von Rainer M. Gerhardt, verlag der fragmente, Karlsruhe, 1953


Werke von und über Rainer Maria Gerhardt:

Rainer Maria Gerhardt: umkreisung. gedichte. Karlsruhe, 1952.

»Leben wir eben ein wenig weiter / We’ll live a while, Yet. – Über das Nachleben des Dichters Rainer Maria Gerhardt«. Eine Dokumentation aus Briefen, Gedichten und Essays, zuammengestellt von Stefan Hyner und Manfred Salzinger. [= FALK. Neue Reihe Nr. 2], Odisheim, 1988.

Rainer Maria Gerhard: Umkreisung. Das Gesamtwerk.
Hg. von Uwe Pöksen in Zusammenarbeit mit Franz Josef Knappe und Yong-Mi Quester. Göttingen, 2007. [Mit Reprint der der beiden Hefte von fragmente, 1951/1952]

Georg Patzer: »… hier noch unbekannt …«. Rainer Maria Gerhardt in Karlsruhe. [Reihe »Spuren«, Heft 81]. Marbach, 2011.

Hommage an Rainer Maria Gerhardt:
Hans Magnus Enzensberger »Tod eines Dichters« (für Rainer M. Gerhardt), 1954: […] »Zerbrochener Flug! Nichts, was bliebe, / nichts als ein Brief von den blauen Tinten- / tränen eines Gewitters bedeckt, / als ein tauber Zorn über den Dächern, / als blinde Trauer, lahm in den Lenden, / und dein Name, auf blanker Platte […] « In: Hans Magnus Enzensberger: Verteidung der Wölfe. Frankfurt (M.), 1957.


Hörstück:
Rainer Maria Gerhardt – Ein Verlag will hoch hinaus

Sprecher:
Isaac Dentler


Dank an:
Ezra Gerhardt-Schubert, Berlin


Die »gruppe der fragmente« und der US-amerikanische Dichter Robert Creeley
Foto: Ashley Bryan, aus: Rainer Maria Gerhard: Umkreisung. Das Gesamtwerk, Göttingen, 2007.

Weinbrennerstraße 81
Auf dem Boden vor dem Hochhaus am Entenfang befindet sich ein Marker. Scannen Sie den Marker und geniessen Sie das Hörstück.Location_Gerhardt@2x

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vermittelt Fakten zur Person in Form von Zitaten und freier Erzählung.