Richard Willstätter

Richard Willstätter
*13.08.1872 in Karlsruhe
† 03.08.1942 in Muralto (Schweiz)
Chemiker und Nobelpreisträger

Portrait_Willstaetter_200x200_oRichard Willstätter stammte aus einer Karlsruher Familie und besuchte kurze Zeit das Großherzogliche Gymnasium, bevor er mit 11 Jahren nach Nürnberg umzog.

Der spätere Nobelpreisträger für Chemie, zu dessen Forschungsgebiet die Pflanzenfarbstoffe gehörten, beschrieb in seiner Autobiographie den Schlosspark der Residenzstadt mit seinen exotischen Sträuchern und den alten Bäumen als bleibende Eindrücke seiner Kindheit. Dazu kamen die technischen Neuheiten wie das Telefon, das Willstätter in der ständigen Gewerbeausstellung bestaunen konnte. Das Vorbild des badischen Großherzogs, den Willstätter als gütigen Regenten erlebte, der über Parteiinteressen stand, ließ ihn zeitlebens zu einem Anhänger der Monarchie werden.

Richard Willstätter (1872-1942)  posthumes Porträt von  Louis Rivier nach Fotografien von April 1942. In: R.W.: »Aus meinem Leben«, 1958, Frontispiz

Richard Willstätter, Porträt von Louis Rivier nach Fotografien aus dem letzten Lebensjahr 1942, entstanden vor 1949.

Im 1. Weltkrieg beteiligte sich Willstätter wie sein Freund und Kollege Fritz Haber an technischen Verfahren für den Gaskrieg der Reichswehr: während Haber die Kampfstoffe entwickelte, erfand Willstätter wirkungsvolle Filter für die Gasmasken der Soldaten.

Obwohl es ihm berufliche Vorteile gebracht hätte, lehnte Willstätter es ab, sich taufen zu lassen und beharrte auf seinem Judentum, das er für eine Privatangelegenheit hielt. Aus Protest gegen die antisemitsche Berufungspolitik an der Münchner Hochschule trat Willstätter von seiner Professur für Chemie zurück. Zahlreiche Angebote für andere Lehrstühle lehnte er ab und widmete sich privaten Forschungen und seinen Sammlungen von Bildern, Büchern und versteinerten Baumstämmen.

Die meisten dieser Dinge musste er zurücklassen, als er im Jahr 1939 aus München in die Schweiz floh. Kurz nach Beendigung seiner Memoiren starb Willstätter 1942.

In Karlsruhe erinnert eine Allee im Schlosspark an den Chemiker, dessen Namen auch eine nach Aprikosen duftende Rosensorte trägt.

Soleil d' Or, HÌbridos de te, sect. Chinensis

Die Rosensorte »Geheimrat Richard Willstätter« (1931 gezüchtet von Johannes Felberg-Leclerc) gehört zur Gruppe der Teehybride, wie die hier gezeigte »Soleil d’ Or«. Foto: A. Barra, Quelle: Wikipedia, Creative Commons


Publikationen von Richard Willstätter:

Richard Willstätter: »On plant pigments«, Rede zum Nobelpreis für Chemie 1915, Stockholm 3. Juni 3 1920.

Richard Willstätter: Aus meinem Leben. Von Arbeit, Muße und Freunden. [1940] Weinheim: Verlag Chemie, 1949, 2. Auflage 1958

Zu Richard Willstätter:

Fritz Haber: Briefe an Richard Willstätter 1910–1934. Hg. von Petra Werner, Angelika Irmscher, Berlin, 1995.

»Krieg! Juden zwischen den Fronten 1914–1918« [Beitrag zu Fritz Haber und Richard Willstätter]. Katalog zur Ausstellung des Jüdischen Museums München, 2014.


Hörstück:
Richard Willstätter – Rosen und Gas

Sprecher:
Christoph Franken


Portrait Richard Willstätter:
aus: »Richard Willstätter: Aus meinem Leben«,1958, Tafel XIV

Gemälde:
Das Gemälde von Louis Rivier mit freundlicher Genehmigung der Association des Amis de Louis Rivier, Lausanne, www.art-louisrivier.ch

Rosen:
Wikipedia, Creative Commons, Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e8/Rosa_’Soleil_d’or2′.jpg

Zähringer Straße 84
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vermittelt Fakten zur Person in Form von Zitaten und freier Erzählung.