Wilhelm Hausenstein

Wilhelm Hausenstein
*17.06.1882 in Hornberg (Schwarzwald)
† 03.06.1957 in München
Schriftsteller, Diplomat
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Wilhelm Hausenstein, der 1882 in Hornberg im Schwarzwald geboren wurde, verbrachte seine Jugendzeit in Karlsruhe. Er besuchte hier das humanistische Großherzogliche Gymnasium, wo er eine starke Begabung für Griechisch und Latein zeigte. Gefördert wurde er dabei von seinem Lehrer Gustav Wendt, der für viele Schüler eine prägende Figur war und den u.a. auch Adolf von Grolman sehr verehrte .

Die Atmosphäre in Karlsruhe um die Jahrhundertwende beschrieb Hausenstein in seinem Erinnerungsbuch „Lux perpetua“, für das er 1949 den badischen Johann-Peter-Hebel-Preis erhielt. In „Lux perpetua“ finden sich Stimmungsbilder vom Nymphengarten und dem Marktplatz, aber auch Schilderungen von Hausensteins Begegnung mit dem Großherzog im Schlosspark und Portraits von Mitschülern und Lehrern am Gymnasium.

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Klassenausflug um 1899: die Primaner und der Direktor des Großherzoglichen Gymnasiums Geheimrat Dr. Gustav Wendt. Als »Basileus« porträtiert ihn Hausenstein in seinen Memoiren »Lux perpetua« (1949), Fotograf unbekannt, Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Hausenstein veröffentlichte nach seiner Promotion in Geschichte kunstwissenschaftliche Werke, die besonders durch ihre große Zahl an Illustrationen hervorragten: Eines seiner ersten Bücher, „Der nackte Mensch in der Kunst aller Zeiten und Völker“, hatte rund 700 Abbildungen.

Hausenstein schlug eine Karriere an der Universität aus und wurde einer der produktivsten Publizisten seiner Zeit: er veröffentlichte neben Kunst- und Reise-Essays regelmäßig Beiträge in der „Frankfurter Zeitung“, war Kunstredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“ und ab 1934 Schriftleiter der Literatur- und der Frauenbeilage der „Frankfurter Zeitung“. 1943 wurde Hausenstein dort entlassen, weil seine Frau jüdisch war. Ein Jahr zuvor konnte ihre Tochter emigrieren. Das Ehepaar selbst lebte bis Kriegsende unter der ständigen Angst vor der drohenden Deportation.

Hausenstein, der sich als „konservativ im Sinne des christlichen Humanismus, mit entschiedenem sozialen Akzent“ bezeichnete, wurde von Konrad Adenauer 1950 mit einer politischen Mission beauftragt: Er sollte als erster Gesandter Deutschlands in Frankreich neue kulturelle Beziehungen aufbauen. Hausenstein starb 1957 in München. 1967 erschienen seine Tagebücher aus den Kriegsjahren, „Licht unter dem Horizont“. Seine Frau Margot starb 1997 im Alter von 106 Jahren.


Publikationen von Wihelm Hausenstein:

Der nackte Mensch in der Kunst aller Zeiten und Völker [mit 700 Abb]. München 1913, [1917 in 2 Bänden: Der Körper des Menschen in der Geschichte der Kunst/Die Kunst und die Gesellschaft).

Kairuan oder eine Geschichte vom Maler Klee und von der Kunst dieses Zeitalters, München 1921, [Neuauflage München, 2014]

Kunstgeschichte [Von der Kunst Altbabyloniens bis zur Neuen Sachlichkeit]. Berlin, 1927.

Badische Reise, München, 1930

Lux perpetua. Geschichte einer deutschen Jugend aus des neunzehnten Jahrhunderts Ende. Mitgeteilt von Johann Armbruster [= Wilhelm Hausenstein]. München/Freiburg, 1947.

Über Wihelm Hausenstein:

Wilhelm Hausenstein. Wege eines Europäers. Ausstellungs-Katalog, Deutsches Literaturarchiv Marbach, 1967

Johannes Werner: Wilhelm Hausenstein. Ein Lebenslauf. München, 2005.


Wilhelm Hausensteins Schule:

Das Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe – Bildungsstätte mit bürgerlicher Tradition: 1872–1938 Großherzogliches Gymnasium, 1806–1872 Karlsruher Lyzeum. Die Schule geht zurück auf das in 1586 in Durlach gegründete „Gymnasium illustre“ („Hohe Schule“).

Einige Absolventen:
Johann-Peter-Hebel, Schriftsteller, Abitur 1778 (später auch Direktor)
Karl Freiherr von Drais, Erfinder, Abitur 1803
Joseph Victor von Scheffel, Dichter und Maler, Abitur 1843
Carl Benz, Ingenieur, Schüler von 1853–1860
Gustav Landauer, Politiker, Abitur 1888
Alfred Mombert, Schriftsteller, Abitur 1890
Wilhelm Hausenstein, Schriftsteller, Abitur 1900
Carl Einstein, Schriftsteller, Schulverweis kurz vor Abitur 1903
Adolf von Grolman, Schriftsteller, Abitur 1907
Franzsepp Würtenberger, Kunsthistoriker, Abitur 1930
Emil Wachter, Künstler, Abitur 1939
Paul Kirchhof, Jurist, Abitur 1963
Thomas Weisbecker, Terrorist, Abitur 1968
Wolfgang Rihm, Komponist, Abitur 1972
Patrick Roth, Schriftsteller, Abitur 1972


Hörstück:
Wilhelm Hausenstein – und das dauernde Licht

Sprecher:
Vincent Leittersdorf


Dank an:

Deutsches Literaturarchiv Marbach
für die freundliche Bereitstellung von Bildmaterial zu Wilhelm Hausenstein

Bismarck-Gymnasium, Bismarck-Straße 8
Auf dem Boden vor dem Eingang des Bismarck-Gymnasiums befindet sich ein Marker. Scannen Sie den Marker und geniessen Sie das Hörstück.

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vermittelt Fakten zur Person in Form von Zitaten und freier Erzählung.